Nordsee – 3. Seetag

0630: Wachwechsel. Dunkel, guter Wind, kalte Finger. Der Sonnenaufgang steht bevor. Wir haben das Gebiet mit den Bohrinseln durchquert, aktuell steuern wir mit 190° auf ein Verkehrs-Trennungs-Gebiet zu. Der Wind hat sich abgeschwächt, die See ist deutlich ruhiger.

Die Taube wurde irgendwann zwischen 2200 und 0200 unter die Sprayhood gesetzt. Erfreulich, es war ein trauriges Bild, das erschöpfte Tier auf der Großschot im kalten Wind bei dem heftigem Schaukeln des Schiffs sehen zu müssen. Beim Wachantritt um 0200 war es meine größte Sorge, wie es ihr geht. Auch bei allen anderen galt eine der ersten Fragen beim Wachwechsel der Taube – wo sie aktuell sitzt und wie es ihr geht…

1030: Dahindümpeln. Nur noch 3.5 Knoten Fahrt über Grund. Die Kälte hat mich aus meiner Koje getrieben. Im Salon sind es 14°C, im Vorschiff (wo meine Koje ist), ist es noch kühler. Sowohl die Füße, als auch die Nasenspitze sind eiskalt. Bin aber gerade rechtzeitig zum Frühstück wachgeworden. Es gibt frischgebackenes Bananenbrot, was von der Wache zubereitet wurde. Schon erstaunlich, was man so alles mit einem kleinem Gas-Backofen zubereiten kann.

Die Taube hat sich heute morgen auf das Vorschiff zurückgezogen, auf größstmögliche Distanz. Blödes Tier, wenn wir sie hätten fressen wollen, hätten wir heute Nacht genügend Möglichkeiten gehabt. Auf dem Vorschiff lebt sie gefährlich – die nächstbeste, größere Welle würde sie wegspülen. Zum Glück ist die See momentan ruhig.

Position: Luftlinie nach Brunsbüttel: 209 sm, zurückgelegte Entfernung bisher ca. 270 sm.

Wetter: See ruhig (max. 0.5 Meter), Wind einigermaßen, Temperatur unter aller Sau, Himmel bewölkt.

1900: Position: Irgendwo zwischen Niederlande, Belgien und England. Kurs 220°. Wenn alles glattläuft, sollten wir morgen früh bei Dover sein und segeln dann direkt weiter Richtung Plymouth. Bis Dover sind es noch ca. 100 sm.

Taube: Sitzt jetzt auf der Sprayhood, nachdem sie zuvor ganz vorne am Bugkorb saß – um zu verhindern, dass sie durch eine Welle weggerissen wird, haben wir versucht sie einzufangen, woraufhin sie auf die Sprayhood geflogen ist.

Wetter: ca. 4 Bft, See flach.

Temperatur: relativ warm – auch ohne Ölzeug mit 2 Pullovern erträglich.

Essen: Penne mit Zuccini-Tomaten-Sauce.

Es wird Zeit zum Schlafen…

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