Die weißen Felsen von Dover querab

Nordsee/Englischer Kanal – 4. Seetag

0200: Taube ist weg! Irgendwann gegen 2200 wurde sie aufgescheucht und ist losgeflogen. Nach einem mißlungenem Landeversuch auf der Saling ist sie in unbestimmte Richtung abgedüst. Wir alle hoffen, dass sie es bis zu einer Küste oder einem anderem Schiff schafft.

Wetter: wie sonst auch: Wolken, unzählig viele Sterne, Wind aus NO 4-5 zunehmend.

Temperatur: wie immer

Position: 50 sm vor Dover, freuen uns schon heftig auf Duschen und die englischen Pubs.

1230: Wachwechsel, endlich mal wieder schlafen. Haben gerade Dover passiert.

Zeitweise scheint heute sogar die Sonne. Es tut gut, ihre wärmenden Strahlen auf den Handflächen zu spüren, die Hände waren bereits steifgefroren. Ich spüre, wie viel beweglicher die Finger werden, wenn sie von den Sonnenstrahlen berührt werden. Nett von Rasmus, uns gerade jetzt Sonne zu gönnen und die weißen Felsen von Dover in warmen Sonnenlicht zu präsentieren.

Die weißen Felsen von Dover querab
Die weißen Felsen von Dover querab

In den Stunden zuvor gab es Wolken und Regen. In der Koje habe ich mich bereits gewundert, warum es sich so kalt anfühlt, ich hatte sogar das Gefühl, meinen Atem zu sehen. Ein Blick auf die Innentemperatur erklärte es: 11°C.

Dover liegt in Sichtweite querab. Wir segeln bei raumen bis achterlichem Wind Falmouth entgegen. Zwei Tage werden wir voraussichtlich brauchen. Der Landkontakt hat jedoch bereits eine leichte Sehnsucht nach Land geweckt: Dort gibt es Duschen und Pubs! Die Nähe zum Land brachte auch die Zivilisation in Form des Mobilfunknetzes: Schnell wurden Telefonate geführt und SMS abgeschickt.

Wetter: Die Wellen sind ruppig – zwar nicht hoch (max. vielleicht 1-2m), aber kurz und steil von achtern. Schaukelt gut und macht Spaß!

2220: Schlafenszeit (bis immerhin 2 Uhr Nachts) Gerade einen wunderschönen Sonnenuntergang gehabt. Die Sonne tauchte den Himmel in orange-farbenes Licht, welches fantastische Kontraste zu dem flaschengrünem Wasser des Ärmelkanals brachte. Andächtiges Schweigen bei der gesamten Crew während dem Naturschauspiel.

Die See ist sehr ruhig, nur eine sanfte Winddünung. Wir segeln mit halben Wind der Stärke 3, die Fahrt beträgt 5.5 Knoten. Gegen 2045 haben wir den Meridian überquert. Seltsam, dass ab jetzt die Längengrade „rückwärts“ gezählt werden.

Flaschengrünes Wasser im englischem Kanal
Flaschengrünes Wasser im englischem Kanal04

Zur Zeit liegt Brighton querab, es sind noch 186 sm nach Falmouth. Bereits jetzt ist in Sichtweite der Küste das Licht von Pubs und Duschen zu sehen. Susanne – unsere Skipperin – versichert uns aber, dass es hier keine schönen Duschen gibt, während in Falmouth die besten Duschen der Welt zu finden sind.

Das Wetter ist gut, die Sonne scheint bereits seit Mittag, trotzdem ist es kalt. Unter Deck: 15°C, auf Deck: 2 Pullover, Ölzeug und kalte Finger. Ich hoffe, dass die Wache ab 0200 erträglich wird.

Essen: Risotto mit Naturreis und Käse-Schinken-Sauce.

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