Ebene Wasserflächen - das soll die Nordsee sein?

Nordsee/Englischer Kanal – 5. Seetag

0600: Schlafenszeit, die Hundewache ist überstanden.

Wieder gab es eine sternenklare Nacht. Ob der Tag „trotzdem“ sonnig wird? Bisher gab es fast jede Nacht wolkenlosen Himmel, der jedoch rechtzeitig im Morgengrauem zugezogen ist. War wieder recht kalt: 3 Pullover, trotzdem Frösteln. Eiskalte Hände und Füße, wie so oft.

Passieren gerade die Isle of Wight in Sichtweite. Viel Schiffsverkehr. Parallel zu uns führt eine Schifffahrtsstraße entlang. Einige Schiffe verlassen diese in Richtung Isle of Wight. Auslaufende Schiffe sind zudem schwer von den Lichtern der Insel zu unterscheiden.

1130: Noch 115 sm bis Falmouth. Langsam wird es Zeit für einen Hafentag: wir sind auf dem letzen Trinkwassertank (von insgesamt dreien mit 500 Litern), auch die Vorräte an Cola-Light und Süssigkeiten gehen zur Neige.

Ebene Wasserflächen - das soll die Nordsee sein?
Ebene Wasserflächen – das soll die Nordsee sein?

Zur Zeit dümpeln wir bei schwachen umlaufenden Winden. Gerade wurde der Flautenschieber angeschmissen. Die Sonne kämpft sich langsam durch eine dichtere, hohe Schicht von Wolken, es könnte sonnig werden. Urlaubsstimmung, die letzte Wache gönnt sich gerade eine Dose Bier als Betthupferl. Zuvor gab es selbstgebackene Brötchen zum Frühstück.

Es wird wärmer: mit 2 Pullovern ohne Ölzeug friere ich nicht.

1800: Das Meer ist glatt. Kaum zu glauben, dass das der englische Kanal sein soll. Von dem vorhergesagtem N 3-4, auffrischen 5 ist nicht viel zu spüren. Wie eine unebene Betonpiste zieht sich das Meer dahin. Kein Verkehr, kein Wind.

Wir sind mittlerweile 90 sm vor Falmouth, der Motor schiebt uns in Richtung Pubs. Der Himmel ist grau/türkis, leichte Wolken verdecken die Sonne. Ist das die Nordsee?

Die Wende brachte ein Opfer an Rasmus: Ein Schluck Bier, paar Salzstangen und Erdnüsse; kurz vor Wachwechsel setzte ein leichter Nord ein. Unter Groß und Genua 4 kn! Zusätzlich kam die Sonne hervor. Inspiriert durch die Wache heute morgen gönne ich mir zum Wachwechsel auch eine Dose Bier, als Einstimmung auf England und aus Freude über das besser werdende Wetter.

Erstaunlich, wie schnell das Opfer für den Meeresgott gewirkt hatte – warum haben wir es nicht schon vorher gemacht? Susanne – erfahrene Atlantik-Seglerin – hatte die Erfahrung gemacht, dass Rasmus besonders gerne Schokokekse mag – wir dürfen keinesfalls vergessen, in England welche zu kaufen.

2000: Essen: Bratkartoffeln mit Schinken & Ei. Draußen scheint die Sonne, wir segeln(!) mit 5 Knoten. Das Opfer hat offenbar gewirkt.

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