Die Biskaya

Biskaya – 3. Seetag

Was für eine Nachtwache! Mit 7 Knoten bei raumen Wind (Stärke 4) durch die dunkle, mondlose Nacht. Es wird wärmer. Zwar bin ich immer noch in voller Montur, jedoch habe ich keine kalten Füße und Hände mehr.

Kurz nach Mitternacht sieht man plötzlich drei Objekte im Wasser, die sich schnell in einem Bogen auf unser Schiff zubewegen. Sie hinterlassen einen phosphoreszierenden Schweif. Nach dem seltsamen Treibgut am Tage schießen einem Fragen durch den Kopf – nach einer Treibgut-Bombe jetzt ein U-Boot-Angriff mit Lenktorpedos? Doch statt des Einschlages passiert nichts. Plötzlich sieht man auf der anderen Seite des Schiffes etwas im Wasser, was einen phosphoreszierenden Schweif erzeugt. Es dämmert mir: Delfine! Fast 1.5 Stunden leisten sie uns Gesellschaft. 8 Tiere sind auszumachen, wie sie von der Seite anschwimmen, in der Bugwelle das Schiff begleiten und plötzlich unter und wieder auftauchen. Alles umgeben von dem gespenstischen grünlichem Schimmer. Das Meer lebt! Etwas später sind ganze Teppiche eines leichten Schimmerns auszumachen. Fischschwärme, die durch ihre Bewegung das Plankton zum Leuchten bringen? Irgendwann leuchtet das ganze Meer unter uns. In dem leichten Schimmer sind zusätzlich hellere Blitze auszumachen. Wie mit einer Röntgenbrille kann man in das Wasser sehen. Stundenlang könnte ich diesem Naturschauspiel zusehen.

1500: Mittagessen: Nudeln mit Thunfischsauce. Gelassen geht es mit 4-5 Knoten bei Westwind dahin. Noch 245 sm bis nach Bayona. Der Himmel ist bewölkt, vereinzelt gibt es Schauer, es ist jedoch nicht kalt. Mit zwei Pullovern ohne Ölzeug ist es angenehm.

Die See hat heute ein tiefes Blau, eine leichte Dünung kommt aus West, ansonsten gibt es kaum Welle. Rasmus wurde bereits einer der besonders guten Schokokekse – die eigens als Opfergabe gekauft wurden – geopfert. Bisher jedoch ohne Erfolg. In den vergangenen Tagen hat sich gezeigt, dass etwa ein Schokokeks alle 6 Stunden für einen gleichmäßig guten Wind sorgt. Hinter Falmouth haben wir wegen der Flaute geopfert, was das Zeug hielt: Himbeergeist, Kekse, Erdnüsse, Cola, Cola-Light. Aber auch da hatte es eine Weile gedauert, bis das Opfer angenommen wurde. Also heißt es warten.

Kurz besuchen uns ein paar Delfine, sie haben jedoch offenbar nicht die Muße, uns länger zu begleiten und verschwinden so schnell, wie sie gekommen sind.

Die Biskaya
Die Biskaya

2000: wieder Sonne bei leichter Bewölkung. Mit 6-7 Knoten Fahrt geht es in Richtung Bayona. Offenbar hat das Opfer von heute Nachmittag gewirkt. Leider ist der Wind nicht beständig und schläft zur Nacht hin komplett ein.

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