Biskaya – 4. Seetag

1500: Strahlend blauer Himmel, Sonne, spiegelglatte See … und Eiseskälte. Den Versuch eines Sonnenbades auf dem Vorschiff habe ich frühzeitig abgebrochen – zur Vermeidung schwerwiegender Unterkühlung. Schade, vom windgeschütztem Cockpit aus sah das Vorschiff sehr einladend aus.

Wir sind jetzt unweit von Kap Finisterre, in den nächsten Stunden dürften wir es passieren. Die Wettervorhersage verheißt jedoch nichts Gutes: S-SW 5-6, später 7! Das kann Lustig werden, insbesondere weil SW denkbar ungünstig ist, wenn man nach Süden will und sich dabei noch möglichst weit von der Küste im Osten freihalten will. Plan A: Fahrt zu den Azoren antäuschen und dann rein nach Bayona. Das „antäuschen“ hatte schon oft Einfluß auf das Wetter, beispielsweise sorgte ein „angetäuschtes“ Frühstück für Regen, ein „angetäuschtes“ Essenkochen für günstigen Wind zum Ablegen etc.

2000: Der Wind hat gedreht, der angekündigte Südwind ist da. Neuer Kurs: hart am Wind Richtung Südwesten. Das Boot schiebt Lage wie lange nicht mehr. Trotz blauem Himmel scheint das Schönwettersegeln erstmal vorbei zu sein. Irgendwie habe ich mir Südwind auch immer wärmer vorgestellt.

Noch ist die See glatt, aber irgendwann wird sich die Welle aufbauen – dann wird es lustig in der Vorschiff-Koje. Es sind noch 110 sm bis nach Bayona, mit Kreuzschlägen 150 sm.

2200: Die erwartete Welle ist da. Schlafen wird anstrengend. Ständig hebt man von der Koje ab um kurz danach wieder zu landen. Durch die Krängung wird man gegen die Schiffswand gedrückt. Man spürt die Vibration des Rumpfes und dessen Verformung bei jedem Eintauchen in die Welle. Lautstark knarrt der gesamte Innen-Ausbau. Allen Widrigkeiten zum Trotz schlafe ich irgendwann ein.

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