Der Seegang nimmt zu

Biskaya – 5. Seetag

0200: Wir liegen bei. Keine Chance, bei dem Wind sinnvoll Strecke zu machen. Als ich zu meiner Wache an Deck gehe, erwartet mich vergleichsweise warmer, aber durchgängiger Wind, Nieselregen und Dunkelheit. Irgendwie unheimlich sind die Gischtkämme auf den Wellen um uns herum. Man kann nur die Gischt erkennen, ansonsten ist es absolut dunkel, die Wellen lassen sich nur erahnen. Mittlerweile liegt die Windgeschwindigkeit bei 30-40 kn, also 7-8 Bft. Das Schiff liegt im 3ten Reff und ohne Genua bei. Laut GPS treibt es mit 1.5 kn, an Backbord ist der leuchtende Teppich unseres Kielwassers auszumachen.

Gegen morgen, nach 4 Stunden Wache bin ich froh über meine Koje, die Wärme und Trockenheit und den Schlaf.

Ein Frachter kämpft sich in Richtung Kap Finisterre
Ein Frachter kämpft sich
in Richtung Kap Finisterre

1200: Die Entscheidung fällt: es macht keinen Sinn, weiter nach Bayona kommen zu wollen. Selbst wenn wir gut durchkommen, würde das anlegen nicht ganz unkritisch – die Einfahrt von Bayona ist nach SW offen, so dass die Ansteuerung bei SW Wind und Welle kritisch werden könnte. Neues Ziel ist La Coruna, ca. 90 sm östlich. Der Wetterbericht gibt uns recht: SW 6-7, später 8, Sturmwarnung.

Der Seegang nimmt zu
Der Seegang nimmt zu

1930: Die See hat sich bereits gut aufgebaut. Laut DWD ist die Wellenhöhe bei 2.5 m, einzelne Wellen schätze ich auf mehr als 4 m. Im Abstand von wenigen hundert Metern passiert uns ein Frachter. Trotz des geringen Abstands war er zeitweise wegen den Wellen nicht zu sehen. Beeindruckend kämpft sich sein Bug durch die Wellen, die Gischt spritzt meterhoch.

Das Wasser und der Himmel sind stahlgrau. Irgendwann kommt aber auch die Sonne hervor – als matter, leuchtender Fleck in den Wolken. Erstaunlich, dass nur wenige Sonnenstrahlen genügen, das gesamte Szenario in einen freundlicherem Licht darzustellen.

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