Ablegen Richtung Bayona/Biskaya

Die langfristige Wetteraussicht bessert sich – für Sonntag werden nur noch S3-4 fürs Kap Finisterre vorhergesagt. Nach langem Ausschlafen legen wir gegen 1200 ab.

Wärme! Bei Sonnenschein geht es in Richtung Biskaya. Zwei Pullover und Jeans reichen, kein Ölzeug, keine Handschuhe, keine kalten Füße! Das Vorschiff wird zum Sonnendeck.

Das Wasser hat sich verändert, die flaschengrüne Farbe des Ärmelkanals ist einem Tiefblau gewichen. Man spürt den Atlantik: Eine sehr lange, flache Dünung kommt aus West. Sie wird von kürzeren Wellen aus Ost überlagert, ein angenehmes Schaukeln setzt ein.

Aus dem angesagten N3-4 ist nur ein N2 geworden. Nach einigen Stunden motoren stehen gegen Abend wieder die Segel. Die Genau flattert, die Blöcke schlagen laut aufs Schiffsdeck. Die Zeit, rechtzeitig über die Biskaya zu kommen, ist wetterbedingt knapp. Notfalls müssen wir weiter unter Motor laufen. Wir haben Diesel für ca. 28 Stunden, 3.5 Stunden sind davon bereits verbraucht. Plan B sieht einen „Boxenstop“ irgendwo in Frankreich Nähe Brest vor, um zu tanken. Damit müssten wir aber viel zu weit nach Osten, der gesamte West-Vorteil wäre verschenkt. Mal abwarten.

Die Wachen sind jetzt viel lockerer: jeweils nur 2 Leute werden auf Wache gehen, so dass 4 Stunden Wache von 6 Stunden Freiwache gefolgt werden.

Hafentag Falmouth

Heute ist Regen angesagt: Dicke, kalte Tropfen aus einer geschlossenen, tiefhängenden Wolkendecke. Nach einem ausgiebigen Frühstück an Deck setzt er ein. Auch das sonstige Wetter in Europa ist nicht sehr vielversprechend: Cornwall 12°C, Lissabon 20°C, Faro 22°C. Wollen wir hoffen, dass es besser wird.

Die Crew verteilt sich. Jeder braucht ein bischen Zeit für sich. Der kommende Schlag über die Biskaya wird voraussichtlich 5 Tage dauern, so dass etwas Alleinsein guttut. Das erste Mal während des Urlaubs komme ich dazu, ein Buch zu lesen.

Gegen abend wird dann nochmal gemeinsam die Stadt erkundet. In einem Pub namens „Spanish Fly“ nehmen wir unser Abendessen ein und versacken dort bei der Gelegenheit. Ein gemütlicher Laden, der im Kneipenbereich bequeme Couchen hat. Nach der Last-Order setzt sich noch der Besitzer zu uns und zeigt uns Fotos von einem Racer, den er vor 2 oder 3 Jahren von Falmouth nach Kiel überführt hatte. Imposantes Schiff mit 4 Salingspaaren am 39,5 m hohen Mast. Leider war die Regattateilnahme nicht vom Erfolg gekrönt, weil sich direkt bei dem Start eine HR (?) in die Seite gebohrt hatte – mit einem sauberen, V-förmigen Loch in der Seite zur Folge.

Wetteraussichten: Für kommenden Sonntag ist am Kap Finisterre S7, Böen 8-9 vorhergesagt. Wir werden voraussichtlich Sonntag dort sein und müssen dort genau nach Süden. Sieht nicht gut aus, bei diesem Wind haben wir schlechte Karten. Warten wir die nächste Vorhersage ab, aber falls es sich nicht ändert, macht es keinen Sinn, morgen auszulaufen.

Nordsee/Englischer Kanal – 6. Seetag

0200: Bei leichtem NW und extrem ruhiger See geht‘s mit 5 Knoten gemächlich in Richtung Falmouth. Im ruhigem Wasser ist deutlich das grüne Glitzern des Planktons zu sehen. Was die Evolution wohl dazu veranlaßt hat, phosphoreszierendes Plankton entstehen zu lassen?

Falmouth ist noch 40 sm entfernt, Start Point liegt hinter uns, Plymouth querab. Am Vormittag dürfte es soweit sein.

Auch wenn es tagsüber recht warm war, jetzt in der Nacht ist es ziemlich kalt. Ich freue mich, mich endlich in die Koje zu legen.

Gegen 1045 machen wir in Falmouth fest. Seltsames Gefühl, plötzlich wieder am Steg zu liegen, aber schön. Von der Marina aus sieht man die Stadt, doch irgendwie ist es irritierend – alles wirkt ausgestorben, kaum Menschen, kaum Verkehr (Später erfahren wir, dass der heutige Tag in England ein Feiertag ist).

Das obligatorische Anlegerbier wird eingenommen, die Anspannung der letzten Tage löst sich. Die Kombination aus Schlafmangel, Alkohol und Mittagszeit tut ihre Wirkung. Rückblickend war es kalt & anstrengend gewesen, 709 sm liegen hinter uns (649 sm seit Brunsbüttel), eine gewisse Freude, endlich im Hafen zu sein läßt sich nicht leugnen.

Anschließend geht’s unter die lang ersehnten Duschen. Welche Wohltat! Objektiv betrachtet waren die Duschen zwar nicht so toll, wie versprochen (weder regulierbarer Wasserstrahl noch regulierbare Temperatur), aber subjektiv gesehen fantastisch und ohne Duschzeitbegrenzung.

Falmouth
Falmouth

Falmouth ist ein nettes kleines, typisch englisches Urlaubsstädchen mit vielen Pubs und Ramschläden. Es macht Spaß, durch den Ort zu ziehen und die Schaufenster voller Kitsch zu betrachten. Zum Mittag essen wir original englische Fish&Chips. Zu meinem Erstauen ist es gar nicht so eklig, wie ich es von meinem letzten England-Aufenthalt in Erinnerung habe – der Fisch ist richtig frisch, die Chips nicht übermäßig fett-triefend.

Gegen abend ist die Erkundung der Pubs angesagt. Tapfer halten wir bis zur Last-Order durch, fallen aber anschließend ins Bett, respektive Koje und schlafen bis 0900 Uhr durch.

Die Planung für die nächsten Tage: Dienstag Hafentag, Wäsche waschen, Einkaufen und relaxen. Auslaufen frühestens Mittwoch.

Nordsee/Englischer Kanal – 5. Seetag

0600: Schlafenszeit, die Hundewache ist überstanden.

Wieder gab es eine sternenklare Nacht. Ob der Tag „trotzdem“ sonnig wird? Bisher gab es fast jede Nacht wolkenlosen Himmel, der jedoch rechtzeitig im Morgengrauem zugezogen ist. War wieder recht kalt: 3 Pullover, trotzdem Frösteln. Eiskalte Hände und Füße, wie so oft.

Passieren gerade die Isle of Wight in Sichtweite. Viel Schiffsverkehr. Parallel zu uns führt eine Schifffahrtsstraße entlang. Einige Schiffe verlassen diese in Richtung Isle of Wight. Auslaufende Schiffe sind zudem schwer von den Lichtern der Insel zu unterscheiden.

1130: Noch 115 sm bis Falmouth. Langsam wird es Zeit für einen Hafentag: wir sind auf dem letzen Trinkwassertank (von insgesamt dreien mit 500 Litern), auch die Vorräte an Cola-Light und Süssigkeiten gehen zur Neige.

Ebene Wasserflächen - das soll die Nordsee sein?
Ebene Wasserflächen – das soll die Nordsee sein?

Zur Zeit dümpeln wir bei schwachen umlaufenden Winden. Gerade wurde der Flautenschieber angeschmissen. Die Sonne kämpft sich langsam durch eine dichtere, hohe Schicht von Wolken, es könnte sonnig werden. Urlaubsstimmung, die letzte Wache gönnt sich gerade eine Dose Bier als Betthupferl. Zuvor gab es selbstgebackene Brötchen zum Frühstück.

Es wird wärmer: mit 2 Pullovern ohne Ölzeug friere ich nicht.

1800: Das Meer ist glatt. Kaum zu glauben, dass das der englische Kanal sein soll. Von dem vorhergesagtem N 3-4, auffrischen 5 ist nicht viel zu spüren. Wie eine unebene Betonpiste zieht sich das Meer dahin. Kein Verkehr, kein Wind.

Wir sind mittlerweile 90 sm vor Falmouth, der Motor schiebt uns in Richtung Pubs. Der Himmel ist grau/türkis, leichte Wolken verdecken die Sonne. Ist das die Nordsee?

Die Wende brachte ein Opfer an Rasmus: Ein Schluck Bier, paar Salzstangen und Erdnüsse; kurz vor Wachwechsel setzte ein leichter Nord ein. Unter Groß und Genua 4 kn! Zusätzlich kam die Sonne hervor. Inspiriert durch die Wache heute morgen gönne ich mir zum Wachwechsel auch eine Dose Bier, als Einstimmung auf England und aus Freude über das besser werdende Wetter.

Erstaunlich, wie schnell das Opfer für den Meeresgott gewirkt hatte – warum haben wir es nicht schon vorher gemacht? Susanne – erfahrene Atlantik-Seglerin – hatte die Erfahrung gemacht, dass Rasmus besonders gerne Schokokekse mag – wir dürfen keinesfalls vergessen, in England welche zu kaufen.

2000: Essen: Bratkartoffeln mit Schinken & Ei. Draußen scheint die Sonne, wir segeln(!) mit 5 Knoten. Das Opfer hat offenbar gewirkt.

Nordsee/Englischer Kanal – 4. Seetag

0200: Taube ist weg! Irgendwann gegen 2200 wurde sie aufgescheucht und ist losgeflogen. Nach einem mißlungenem Landeversuch auf der Saling ist sie in unbestimmte Richtung abgedüst. Wir alle hoffen, dass sie es bis zu einer Küste oder einem anderem Schiff schafft.

Wetter: wie sonst auch: Wolken, unzählig viele Sterne, Wind aus NO 4-5 zunehmend.

Temperatur: wie immer

Position: 50 sm vor Dover, freuen uns schon heftig auf Duschen und die englischen Pubs.

1230: Wachwechsel, endlich mal wieder schlafen. Haben gerade Dover passiert.

Zeitweise scheint heute sogar die Sonne. Es tut gut, ihre wärmenden Strahlen auf den Handflächen zu spüren, die Hände waren bereits steifgefroren. Ich spüre, wie viel beweglicher die Finger werden, wenn sie von den Sonnenstrahlen berührt werden. Nett von Rasmus, uns gerade jetzt Sonne zu gönnen und die weißen Felsen von Dover in warmen Sonnenlicht zu präsentieren.

Die weißen Felsen von Dover querab
Die weißen Felsen von Dover querab

In den Stunden zuvor gab es Wolken und Regen. In der Koje habe ich mich bereits gewundert, warum es sich so kalt anfühlt, ich hatte sogar das Gefühl, meinen Atem zu sehen. Ein Blick auf die Innentemperatur erklärte es: 11°C.

Dover liegt in Sichtweite querab. Wir segeln bei raumen bis achterlichem Wind Falmouth entgegen. Zwei Tage werden wir voraussichtlich brauchen. Der Landkontakt hat jedoch bereits eine leichte Sehnsucht nach Land geweckt: Dort gibt es Duschen und Pubs! Die Nähe zum Land brachte auch die Zivilisation in Form des Mobilfunknetzes: Schnell wurden Telefonate geführt und SMS abgeschickt.

Wetter: Die Wellen sind ruppig – zwar nicht hoch (max. vielleicht 1-2m), aber kurz und steil von achtern. Schaukelt gut und macht Spaß!

2220: Schlafenszeit (bis immerhin 2 Uhr Nachts) Gerade einen wunderschönen Sonnenuntergang gehabt. Die Sonne tauchte den Himmel in orange-farbenes Licht, welches fantastische Kontraste zu dem flaschengrünem Wasser des Ärmelkanals brachte. Andächtiges Schweigen bei der gesamten Crew während dem Naturschauspiel.

Die See ist sehr ruhig, nur eine sanfte Winddünung. Wir segeln mit halben Wind der Stärke 3, die Fahrt beträgt 5.5 Knoten. Gegen 2045 haben wir den Meridian überquert. Seltsam, dass ab jetzt die Längengrade „rückwärts“ gezählt werden.

Flaschengrünes Wasser im englischem Kanal
Flaschengrünes Wasser im englischem Kanal04

Zur Zeit liegt Brighton querab, es sind noch 186 sm nach Falmouth. Bereits jetzt ist in Sichtweite der Küste das Licht von Pubs und Duschen zu sehen. Susanne – unsere Skipperin – versichert uns aber, dass es hier keine schönen Duschen gibt, während in Falmouth die besten Duschen der Welt zu finden sind.

Das Wetter ist gut, die Sonne scheint bereits seit Mittag, trotzdem ist es kalt. Unter Deck: 15°C, auf Deck: 2 Pullover, Ölzeug und kalte Finger. Ich hoffe, dass die Wache ab 0200 erträglich wird.

Essen: Risotto mit Naturreis und Käse-Schinken-Sauce.

Nordsee – 3. Seetag

0630: Wachwechsel. Dunkel, guter Wind, kalte Finger. Der Sonnenaufgang steht bevor. Wir haben das Gebiet mit den Bohrinseln durchquert, aktuell steuern wir mit 190° auf ein Verkehrs-Trennungs-Gebiet zu. Der Wind hat sich abgeschwächt, die See ist deutlich ruhiger.

Die Taube wurde irgendwann zwischen 2200 und 0200 unter die Sprayhood gesetzt. Erfreulich, es war ein trauriges Bild, das erschöpfte Tier auf der Großschot im kalten Wind bei dem heftigem Schaukeln des Schiffs sehen zu müssen. Beim Wachantritt um 0200 war es meine größte Sorge, wie es ihr geht. Auch bei allen anderen galt eine der ersten Fragen beim Wachwechsel der Taube – wo sie aktuell sitzt und wie es ihr geht…

1030: Dahindümpeln. Nur noch 3.5 Knoten Fahrt über Grund. Die Kälte hat mich aus meiner Koje getrieben. Im Salon sind es 14°C, im Vorschiff (wo meine Koje ist), ist es noch kühler. Sowohl die Füße, als auch die Nasenspitze sind eiskalt. Bin aber gerade rechtzeitig zum Frühstück wachgeworden. Es gibt frischgebackenes Bananenbrot, was von der Wache zubereitet wurde. Schon erstaunlich, was man so alles mit einem kleinem Gas-Backofen zubereiten kann.

Die Taube hat sich heute morgen auf das Vorschiff zurückgezogen, auf größstmögliche Distanz. Blödes Tier, wenn wir sie hätten fressen wollen, hätten wir heute Nacht genügend Möglichkeiten gehabt. Auf dem Vorschiff lebt sie gefährlich – die nächstbeste, größere Welle würde sie wegspülen. Zum Glück ist die See momentan ruhig.

Position: Luftlinie nach Brunsbüttel: 209 sm, zurückgelegte Entfernung bisher ca. 270 sm.

Wetter: See ruhig (max. 0.5 Meter), Wind einigermaßen, Temperatur unter aller Sau, Himmel bewölkt.

1900: Position: Irgendwo zwischen Niederlande, Belgien und England. Kurs 220°. Wenn alles glattläuft, sollten wir morgen früh bei Dover sein und segeln dann direkt weiter Richtung Plymouth. Bis Dover sind es noch ca. 100 sm.

Taube: Sitzt jetzt auf der Sprayhood, nachdem sie zuvor ganz vorne am Bugkorb saß – um zu verhindern, dass sie durch eine Welle weggerissen wird, haben wir versucht sie einzufangen, woraufhin sie auf die Sprayhood geflogen ist.

Wetter: ca. 4 Bft, See flach.

Temperatur: relativ warm – auch ohne Ölzeug mit 2 Pullovern erträglich.

Essen: Penne mit Zuccini-Tomaten-Sauce.

Es wird Zeit zum Schlafen…

Nordsee – 2. Seetag

Gegen 0000 Helgoland in Sichtweite (ca. 6 sm) Stb querab gelassen. Wind schläft langsam ein, irgendwann wird der Motor gestartet.

Es steht eine kurze Welle von vielleicht 1-1.5m direkt von vorne. Niemand kann sich wirklich von leichten Magenbeschwerden freisprechen.

1230: Wachwechsel. Ich kann ganze 6h Schlafen, welche Freude, bin todmüde.

Heute früh hat sich eine Taube auf dem Schiff niedergelassen. Möglicherweise wurde sie vom Wind aufs Meer getrieben. Sie wirkt recht erschöpft.

Eine Taube zu Gast an Bord
Eine Taube zu Gast an Bord

Wetter: gegen 0600 kaum Wind, kaum Welle. Jetzt: Regen, mehr Wind (ca. SO 2-3), wir segeln wieder.

Vorhersage: 4-6, später umlaufend.

Temperatur: 3 Pullover, 3 Paar Socken, Ölzeug; erträglich.

Position: etwa 30 sm nördlich von Ameland.

1630: Flaute, Motor, Kalt, aber wenigstens kein Regen! Sehe sogar einen Sonnenstrahl, ansonsten nur grün-graues Nordsee-Wasser (was eine große Veränderung darstellt: in der Elb-Mündung war das Wasser grau-braun).

2200: Wachwechsel. Schnell schlafen für die Hundewache von 0200-0600. Seit 2100 sind wir wieder unter Segeln. Wind frischt auf, kommt von querab. Fahren Kurs 200° Richtung Dover. Die Welle kommt direkt von der Seite, was ein heftiges Schaukeln zur Folge hat. Der Ausguck ist spannend, überall sind Lichter auszumachen. Bei den meisten Lichtern handelt es sich um Bohrinseln, vereinzelt auch Schiffe.

Die Taube sitzt mittlerweile auf der ausgebaumten Großschot. Wir würden sie gerne unter der Sprayhood sehen, aber die Taube ist ziemlich scheu, hält Distanz zu uns.

Vorhersage: NO 5-6, später 7.

Ablegen Richtung England

Aufstehen gegen 0800 und klar zum Auslaufen machen. Vorher noch das Flaggenproblem lösen; auf dem Schlag von Laboe zum NOK ist uns fast unser Adenauer – respektive – Willhelm-Tell (unsere schweizer Flagge) baden gegangen, einer der zwei Bändsel hatte sich bereits gelöst. Damit aber nicht genug, zusätzlich rauschte die Leine aus, welche die Gastlandflagge & Radarreflektor hielt. Also muss jemand in den Mast und die Leine wieder an der Saling durchführen. War eine gute Übung, denn es war nicht das letzte Mal auf diesem Törn werden, wo der Bootsmannstuhl zum Einsatz kommt.

Gegen 1100 geht es dann los: Tanken und dann Schleusen. Ein kauziger Tankwart, der sich während des Tankens erstmal genüßlich eine Zigarette anzündete, erklärte uns, Nordsee sei Mordsee und wünschte uns einen schönen Törn.

Die Nordsee
Die Nordsee

Wind SW 6-7, abnehmend.

Trotz setzendem Hochwassers beschließen wir, loszusegeln. Die Ebbe würde erst gegen 1700 einsetzen, was uns zu spät wäre.

Wetteraussichten: zur Zeit noch gut, morgen umlaufende Winde, Tief über Irland.

Plan: in einem Stück nach Falmouth (an der Süd-West-Spitze von England), um schlechtes Wetter im Kanal zu vermeiden.

Schlag aus der Elbmündung funktioniert trotz 3 kn Gegenstrom. Sonne scheint, jetzt beginnt der Törn….

Wachplan für die nächsten Tage: 6-6-4-4-4 (heißt: Tagsüber Wachen von 6h, Nachts 4h), immer 3 Leute.01

Nord-Ostsee-Kanal

0730 Aufstehen, Ausklarieren und raus ohne Frühstück. Segel hoch, endlich segeln! Die ganzen 2-3 sm zur Einfahrt NOK gekreuzt.

Ablegen in Laboe
Ablegen in Laboe

Wetter: nach wie vor: SW 5-6, Böen. Wechselhaft: Schauer, Sonne, Böen.

Temperatur: vielleicht 5-10°C, mit 2 Pullovern und Ölzeug akzeptabel.

Um 1130 Schleusen wir in den NOK. Beim Ablegen aus der Schleuse noch Festmacher verloren: Lag auf Slip und ließ sich nicht mehr rausziehen. Direkt nach der Schleuse also nochmal angelegt und zu Fuß den Festmacher geholt.

Dann geht die Fahrt durch den NOK. Anfangs Sonne! Frühstück an Deck mit Rührei, Speck etc. Irgendwie war uns das Wetter aber nicht wirklich wohlgesonnen: Während des Frühstücks fing es schon an, zuzuziehen, erste Tropfen fielen vom Himmel. Wolken, Regen und Kälte begleitete uns letztendlich durch den gesamten Kanal.

Dickschiffe im NOK
Dickschiffe im NOK

Der NOK ist wie ein ruhiger Fluß. Unter Motor fährt man dahin, die Uferböschung immer in greifbarer Nähe. So müssen sich Binnenschiffer fühlen: gemächlich dahintuckern an grünen Landschaften vorbei. Gelegentlich sieht man einen Angler, Fahrradfahrer oder Spaziergänger, ansonsten Stille (abgesehen von unserem Motor natürlich). Gegen abend, um ca. 2100 machen wir in Brunsbüttel fest. Es ist eine witzige, kleine Marina direkt an der Schleuse zur Elbe. Ständig fahren dicke Schiffe in greifbarer Nähe vorbei. Imposant, wenn man unter Deck aus einer Luke nach oben schaut und die Aufbauten dieser Schiffe vorbeiziehen sieht.

Wetter: bewölkt, Wind: 4

Temperatur: 3 Paar Socken, 2 Pullover, Ölzeug, Handschuhe, kühl.

Innentemperatur: 16°C

Kiel Stickenhörn – Laboe

0800 Aufstehen, Duschen, Frühstück.

Plan A muss variiert werden – Recht starker, böiger Wind (6 Bft, in Böen Spitzen bis 9) steht auf die Box, in der das Schiff liegt. Der Platz im Hafen zum manövrieren ist sehr begrenzt, und wegen dem Faltpropeller sind wir zusätzlich eingeschränkt. Zum Ablegen soll auf schwächeren Wind gewartet werden, also: erst Einkaufen, dann Laboe.

Einkäufe in Kiel
Einkäufe in Kiel

Das Einkaufen für Törns ist immer ein Erlebnis. Diesmal, für 6 Personen und 3 Wochen: fünf Einkaufswagen voll, unter anderem: 6 Paletten Cola-Light, 4 Paletten Cola, 2 Paletten Dosenbier. Insgesamt 605 Euro bezahlt. Eigentlich hätte man doch wenigstens ein paar persönliche Dankesworte vom Filialleiter erwarten dürfen, oder? Zumindest wurde eigens für uns eine eigene Kasse aufgemacht…

Gegen 1700 legen wir in einer kurzen Phase schwächerem Wind ab und beginnen die lange Fahrt nach Laboe (ca. 2 sm) unter Motor. Kaum haben wir dort festgemacht, nimmt der Wind wieder zu, zusätzlich setzt Regen ein. Gute Gelegenheit, es sich unter Deck gemütlich zu machen.

Abendessen: Spaghetti mit Broccoli-Sahne-Sauce.

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